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Reiterstaffel

OV Flieden

Kurzchronik

Im Krieg waren sie nicht wegzudenken und unentbehrlich - die berittenen Sanitätsreiter. Nach dem Vorbild der alten Kavallerie, die Verletzte im unwegsamen Gelände suchte, versorgte und rettete, sowie der Unterstützung des noch heute lebenden Sanitätsreiters  Pfarrer von Dietze, wurde 1997 eine der ersten Reiterstaffeln gegründet.

Die Gründung der Reiterstaffel des Kreisverbandes Fulda erfolgte im Jahr 1999 durch Jenny Burrell. Sie wurde durch die schon bestehenden Reiterstaffeln, speziell aus Herbstein und Dieburg, inspiriert und unterstützt.

In der heutigen Zeit liegen die Aufgaben einer Reiterstaffel bei Sanitätsdiensten in unwegsamem Gelände wie Volksläufen, Mountainbike-Rennen, Wallfahrten, Wander- bzw. Trailritten. Aber auch die Suche nach vermissten Personen ist eine der Hauptaufgaben in der Reiterstaffel. Zurzeit besteht die Reiterstaffel Fulda aus 28 aktiven Mitgliedern.

Einsatzspektrum

Wie hat man sich solch einen Sucheinsatz zu Pferd vorzustellen?

Die Suchgebiete der Reiterstaffel sind vor allem große Wiesenflächen aber auch Wald- und Moorgebiete, wie sie im Landkreis Fulda aber auch in den umliegenden Landkreisen zu finden sind. Durch die erhöhte Sitzposition und den Instinkt der Pferde ersetzt ein Reiter vier bis sechs Helfer einer Suchkette. Verletzte erhalten so eine schnelle und effektive Erstversorgung bis zum Eintreffen des qualifizierten Rettungsdienstes.

Die Helfer werden über Funkmeldeempfänger bzw. SMS alarmiert. Im Anschluss melden sie sich bei ihrer Staffelleitung um den Einsatzort, sowie die Notfallmeldung zu erfragen. Die berittenen Helfer stellen Einsatzbereitschaft her, d.h. sie nehmen ihre Einsatzkleidung, fahren in den Stall um das Einsatzpferd, Sattel, Zaumzeug und die Sanitätstasche in den Pferdeanhänger zu laden und begeben sich mit Pferd zur Einsatzstelle.

Währenddessen fährt ein Helfer sofort an die Einsatzstelle, um sich genau über die Lage vor Ort zu informieren. Er übernimmt die Funktion des Einsatzleiters der Reiterstaffel vor Ort und dient als Bindeglied zwischen der Technischen- Einsatz-Leitung (TEL) und den berittenen Einsatzkräften. Nachdem das gesamte Einsatzgebiet in Planquadrate eingeteilt und unter den Spezialkräften wie Hundestaffel, Reiterstaffel und Hundertschaften der Polizei vergeben wurde, beginnen die nun vor Ort eingetroffenen berittenen Helfer der Reiterstaffel die Suche in ihrem zugeteilten Einsatzgebiet

Um eine systematische Suche zu gewährleisten gehen die Reiterinnen und Reiter mindestens zu zweit in den Einsatz. Eine optimale Staffel besteht allerdings aus vier Reitern. Die Reiterinnen und Reiter kommunizieren per Funk untereinander. Wenn sie sich trennen um zwei Wege abzugehen und dabei ein Mensch gefunden wird, werden die genauen Koordinaten an die anderen Personen weitergegeben. Nach Auffinden der Person beginnt die Reiterstaffel mit der Erstversorgung.

Während der erste sofort mit der Betreuung des Verletzten beginnt, bringt der zweite die Satteltaschen mit dem Sanitätsmaterial. Ein weiterer Helfer setzt währenddessen den Notruf ab und der vierte reitet mit drei Handpferden aus dem Versorgungsgebiet.

Trifft man beim Durchreiten des Einsatzgebietes, in hohem Gras und Gestrüpp, auf den Gesuchten, ohne dass der Reiter die Person gesehen hat, reagieren die Pferde frühzeitig instinktiv auf die Situation. Man muss also keine Bedenken haben, dass auf die vermisste Person getreten wird.

Nach der Erstversorgung gehört es zu den Aufgaben der Sanitätsreiter, einen beschwerdefreien Abtransport zu sichern.

Ist die Anfahrt des Rettungswagens in unwegsamem Gelände nicht möglich, so kommt der Schleifkorb der Reiterstaffel zum Einsatz. Der Verletzte wird in den Schleifkorb gehoben und fixiert. Dieser ist mit einer Vakuummatratze ausgelegt, die während des Transportes vor weiteren Erschütterungen schützt. Das Zugpferd wird in der Anspannung eines Kutschpferdes vor den Schleifkorb gespannt. Zur besseren Lenkung wird das Gespann hinten durch einen zweiten Reiter gesichert.

An einem vorher abgesprochenen Übergabepunkt wird der Verletzte dem Rettungsdienst übergeben und ins Krankenhaus transportiert.

Ausbildung

Sanitätsausbildung

Die multifunktionale Helferausbildung beinhaltet den Grundlehrgang Betreuungsdienst, Grundlehrgang Verpflegungsdienst und den Sanitätskurs Teil A. Da unsere Reiterstaffel im Einsatz als Sanitätseinheit fungiert, benötigen die Helfer noch die Sanitätskurse Teil B und C. Für die Reiterstaffelmitglieder sind des Weiteren die Spezialausbildungen Erste Hilfe am Pferd und Erste Hilfe am Hund vorgesehen. Für die Wiederbelebungsmaßnahmen am Hund, wird an einem Simulationstrainer (Hund) geübt.

Unter unseren Mitgliedern befinden sich Sanitätshelfer, Rettungshelfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistenten, Intensivkrankenschwestern und Notärzte.

Im Alltagsleben üben sie Berufe wie Altenpflegerin, Arzthelferin, Selbstständige, Chemiker, Lehrer, Büroangestellte, u.v.m. aus. Manche sind sogar noch Schüler.

Reiterliche Ausbildung

Es versteht sich von selbst, dass der Reiter sein Pferd in jeder Situation sicher beherrschen muss. Jedes Pferd sollte nervenstark, geländeerfahren und sozialverträglich mit anderen Pferden, sowie auch Hunden und Menschen sein.

Grundvoraussetzung für ein berittenes Mitwirken ist der Basispass Pferdekunde,  der Deutsche Reitpass oder das Deutsche Reitabzeichen Kl. IV. Wünschenswert im Rahmen der aktiven Tätigkeit ist eine Fortbildung zum Berittführer.

Übungen, Ausbildung, Fortbildung

Es finden regelmäßig Übungseinheiten mit allen aktiven Mitgliedern und den Einsatzpferden statt. Dabei wird der Einsatzfall geprobt, sowie Gelassenheitsübungen zur Desensibilisierung der Pferde durchgeführt. Jeden letzten Mittwoch im Monat findet ein Bereitschaftsabend im Katastrophenschutz-Zentrum Fulda / Neuenberg  statt. Dieser erfolgt so ähnlich, wie eine Fortbildung. An jedem Abend gibt es ein bestimmtes Thema wie z.B. die Versorgung von Brüchen und der Transport der verletzten Person, oder der Basischeck und die entsprechende Versorgung uvm.